Zum hundertjährigen Bestehen

Zum hundertjährigen Bestehen: Eine Fahne und das neue Heim

Da wunderten sich nicht wenige: Nicht nur, dass die Lentinger Feuerwehr bereits hundert Jahre auf dem Buckel hat, sondern zu diesem stolzen Jubiläum auch eine Fahne und ein neues Zuhause bekommt.

„Wertvolles Geburtstagsgeschenk zum 100jährigen“, hieß die Überschrift des Berichts im Donaukurier über die Festlichkeiten am 04./5. Juli 1970. Dabei gab es, im Vorfeld des Festes ein paar „Irritationen“, weil einige Mitglieder zweifelten, ob sich die Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt eine Fahne leisten könne. Wie so oft in solchen Fällen, nach einer gewissen Zeit lächelt man darüber.

Die Feuerwehr brauchte gar nicht lange, um in Festtagsstimmung zu kommen. „Die Freude stand den Feuerwehrmännern ins Gesicht geschrieben“, so lesen wir in der Zeitung, „als Bürgermeister Binder dem Kommandanten Nerb die Schlüssel für das neue Haus überreichte. Die Gemeinde bedankte sich auf diese Weise bei der Wehr für die bisherige treue Pflichterfüllung.

“ Nach der kirchlichen Weihe durch den Ortspfarrer und Kammerer Peter Möges wurde das Haus zur Besichtigung freigegeben. Dann bewältigte eine weitere Löschgruppe vor einer großen Zuschauermenge eine „Fleißaufgabe“ und legte die Prüfung für das Feuerwehrleistungsabzeichen ab.

Beim Festabend im Bierzelt hielt Vorsitzender Nikolaus Maier einen Rückblick auf das abgelaufene Jahrhundert. Landrat Adolf Fink versicherte in seiner Festrede, von den zahlreichen Schirmherrschaften, die er im Laufe der Jahre übernommen habe, sei dies wohl die wertvollste. Eine Feuerwehr, die hundert Jahre zum Schutze ihrer Mitbürger gewirkt habe, verdiene höchstes Lob und Anerkennung.

Auch Kreisbrandrat Anton Bauer lobte die Hilfsbereitschaft der Feuerwehrmänner, die ohne viel Aufhebens ihre Pflicht täten. Dass auch in unserer Zeit bei den jungen Männern Idealismus und Opferbereitschaft zu finden seien, könne nicht genug anerkannt werden. Für das nächste Jahrhundert wünschte KBR Bauer der Lentinger Feuerwehr eine ebenso erfolgreiche Zeit.

Nach den Ansprachen erhielten aus der Hand des Landsrats die Veteranen Klemens Bierl, Ludwig Grail, Franz Zeller und Xaver Spengler für 50jährige Mitgliedschaft das Feuerwehr-Ehrenzeichen.

50 Gastvereine in Lenting

Der Festsonntag, begann mit dem üblichen Weckruf. Die Musikanten hatten bald die richtige Stimmung, als ihnen beim Ständchen vor dem Pfarrhof eine Flasche mit hochprozentigem Inhalt spendiert wurde. Sie waren auch im rollenden Einsatz bis zum Gottesdienst, denn 50 Gastvereine mussten empfangen und zum Festplatz gespielt werden.

Für die Feldmesse war am Fuße des Turms der Pfarrkirche der Altar aufgebaut worden. Pfarrer Peter Möges widmete seine Predigt dem Thema „Hilfsbereitschaft für den Nachbarn in der Not“. Auf die schwüle Temperatur anspielend, gestand der Pfarrer den Feuerwehrmännern in launigen Worten zu, dass auch der „innere Brand“ gelöscht werden müsse.

Nach der Messe erteilte der Kammerer der neuen Fahne den kirchlichen Segen. Den ersten Gang mit der neuen Fahne unternahmen die Feuerwehrmänner zum Kriegerdenkmal, um der toten Mitglieder zu gedenken.

Nach der Mittagspause formierte sich der Festzug, zu dem drei Musikkapellen aufspielten. Anschließend war dann ein „Großeinsatz“ im Bierzelt, denn der weite Weg hatte die in der Vormittagspredigt des Pfarrers schon angedeuteten „Brände“ wirklich entfacht. Hinter der Schänke, die von Feuerwehrleuten bedient wurde, ließen die zufriedenen Gesichter zu dieser Zeit schon auf respektable Bierumsätze schließen.

Bei der Verteilung der Erinnerungsbänder wurden die Feuerwehren aus Wasserburg, Feldmoching und Scheyern für die weitesten Anmarschwege besonders geehrt. Kurz vor Mitternacht konnten Vorstandschaft und Festleitung aufatmen: Die beiden Festtage hatten, begünstigt durch das Wetter, den erwarteten Verlauf genommen.

Soweit der Bericht. Nachzutragen wäre noch, dass Paul Gerner Festleiter war, die Einnahmen immerhin 20.896 Mark und die Ausgaben 17.765 Mark betrugen. Für die damalige Zeit ein recht ordentliches Ergebnis.