Die Chronik

Die Chronik der Feuerwehr Lenting

 

Geldsorgen und erstmals ein Bezirksverband

Schon kurz nach ihrer Gründung war die Feuerwehr 1870 bei mehreren Bränden, auch in Nachbarsgemeinden, gefordert. In einem Schreiben des kgl. Bezirksamtes Ingolstadt vom 18.05.1870 sieht die Behörde „die ersprießlichen Leistungen der Feuerwehr Lenting bei der Bewältigung des Brandes im Lickleder’schen Anwesen zu Kösching mit Befriedigung. Das Unterfertigte Amt spricht derselben deshalb die volle Anerkennung aus und hofft, dass das gute Beispiel auch bald in anderen Gemeinden eine so nützliche Einrichtung hervorrufen wird“; unterschrieben hat der Bezirksamtmann Steinline.

Bei der Hilfeleistung hatte sich jedoch gezeigt, dass die Ausrüstung weitgehend unzureichend war. Die Ausgaben der Gemeinde für „Löschinquisiten“ der Feuerwehr betrugen laut einer Kostenaufstellung im Jahr 1870 insgesamt 145,45 Gulden.

Von freiwilligen Beiträgen zur Feuerwehr wurden die Kosten für Feuerwehrröcke, Signalhörner, Steigergurte usw. in Höhe von 168,24 Gulden bestritten. Nach Ausschöpfung aller finanziellen Mittel beschloss die Gemeinde, ein Gesuch um Unterstützung an die Münchener Aachener Mobiliarversicherung einzureichen. Beigefügt wurde dem Gesuch vom 19.12.1871 ein Kostenvoranschlag über 282 fl für Ausrüstungen und die Abänderung der Schlauchgewinde der kleineren Spritze, damit beide Spritzen „ineinandergreifend benützt werden können“. Die Feuerwehr war also schon im Besitz von zwei Spritzen. Die Versicherung lehnte das Bittgesuch jedoch ab.

Röcke und Liederbücher

Lehrer Morshäuser, der Schriftführer, verwaltete auch die Kasse der Feuerwehr. Bei Einnahmen von 53 fl 46 und Ausgaben von 49 fl 50 betrug 1870 der Kassenstand 3 fl 96. Größter Posten bei den Ausgaben war die Anschaffung von Dienströcken bei einem gewissen Schneider Schab, vermutlich in der heutigen Guttenbergerstraße, denn dieser Name „beim Schneider“ blieb bis zum Abriss auf dem Haus.

Es wurden auch Liederbücher für die Feuerwehr gekauft. Die Sangeslust bezog sich vermutlich auf Marschlieder, denn es wurde im Dienst auch stramm exerziert.

Die Feuerwehr Lenting engagierte sich auf Vereinsbasis auch über die Gemeindegrenzen hinaus. Es bestanden inzwischen im Bezirk neben dem Turn- und Feuerwehr-Verein Ingolstadt auch Feuerwehren in Lenting und Kösching.

„Diese nun bestehenden 3 Feuerwehren traten in nähere kameradschaftliche Beziehungen. Am 22.09.1872 einigten sich die Kommandanten Höfner von Ingolstadt, Hierdegn von Kösching, Morshäuser von Lenting ... die Gründung eines Verbandes zu bewerkstelligen und wurde als erster Leiter Morshäuser aufgestellt.“ Wegen einer langwierigen Krankheit gab Morshäuser sein Amt an den Ingolstädter Kommandanten ab.

Beim 1. Delegiertentag des Bezirksfeuerwehr-Verbandes Ingolstadt am 17.07.1873 beteiligten sich bereits 13 Vereine mit 1051 Mitgliedern, woraus die ziemlich stürmische Entwicklung des Feuerwehrwesens ersichtlich ist.

Es existierten auch die „Statuten eines Gauverbandes“, da hieß es zum Beispiel: „Wie nützlich ist der kleinste Kreis, wenn man ihm nur zu pflegen weiß“.

„Es muss eben mit Ernst gearbeitet werden“, heißt es weiter, „Spielereien und übermäßige Festivitäten sollen bei Seite bleiben, dann kann ein Bezirksfeuerwehrverband Ingolstadt vieles leisten“.

Gehorsamste Bitte an das kgl. Bezirksamt

Die Freiwillige Feuerwehr war in den Jahren nach der Gründung natürlich bemüht, den notwendigen Ausrüstungsstand zu beschaffen und zu erweitern. Die Gerätschaften wurden damals – wie heute übrigens auch – größtenteils aus der Gemeindekasse beschafft. Deren Finanzkraft war jedoch begrenzt, weshalb die Gemeinde mit Schreiben vom 21.05.1874 das kgl. Bezirksamt „gehorsamst“ um Unterstützung aus dem Kreisfonds zur Anschaffung von Feuerlöschgeräten bat.

In dem Schreiben ist auch erwähnt, dass die Freiwillige Feuerwehr Lenting „z. Zt. aus 73 aktiven Mitgliedern besteht“. Damals zählte die Gemeinde 471 Seelen in 120 Familien. Der Bau eines Schulhauses mit einem Kostenaufwand von 10.000 Gulden und die Einrichtung eines weiteren Brunnens standen seinerzeit als größte Belastungen an.

„Sämtliche Armaturen der Feuerwehr wurden größtenteils auf Kosten der Gemeindekasse angeschafft“, steht in dem Brief, weiter heißt es: „ferner sind die vorhandenen Feuerlöschmaschinen zu reparieren, und pro 1873 3 neue Dachleitern, 2 Steig- oder Heckenleitern u. eine freistehende Feuerleiter ganz auf Kosten der Gemeinde angeschafft.“

„Dieselbe hat seit ihrem Bestehen, weder vom Kreisausschusse der oberbayerischen Feuerwehren und aus Distriktmitteln nicht die geringste Unterstützung erhalten“, klagt die Gemeinde. „Seit Bestehen der Feuerwehr hat hiesige Gemeinde schon über 200 Gulden aus Gemeindemitteln zum Opfer gebracht. ... Zwar hat hiesige Gemeinde pro 1873 zur Deckung der Gemeindeausgaben nur eine Umlage von 6. Teil vom Steuergulden erhoben, allein die hiesige Pfarrkirchenstiftungsrechnung schloss p. 1873 mit einem Defizite von 181 Gulden 3 ¾ Kreuzer ab, welches die Gemeinde vielleicht wieder durch große Umlagen zu decken hat.“

„Die Herstellung eines Brunnens auf dem höher gelegenen Teil des Ortes, wo sich kein Wasser befindet, und wohin solches wegen des steilen Berges u. besonders bei einer Feuersgefahr, äußerst schwer zu bringen ist, ist ein dringendes Bedürfniss. Die Herstellungskosten dürften sich, da derselbe größtenteils in Felsen zu sprengen ist, auf 400 – 500 Gulden belaufen.

Hiesige Gemeinde, welche ... ein Steursinglum von 1432 Gulden ausweist, ist mit wenigen Ausnahmen durchaus nicht wohlhabend und die meisten Bewohner nähren sich durch Taglohn auf den umliegenden Steinbrüchen, oder beim Festungs- und Bahnbau.

In Anbetracht dieser Sachlage wird Köngl. Bezirksamt gehorsamst gebeten, dahin zu wirken, dass hiesige Gemeinde p. 1875 berücksichtigt wird. Mit aller Hochachtung gehorsame Gemeindeverwaltung.“